Infrarot Fotografie

(Grafik : Wikipedia)

Infrarotstrahlung (IR-Strahlung / Wärmestrahlung) ist ein Teil der optischen Strahlung und damit ein Teil des elektromagnetischen Spektrums. Das menschliche Auge kann das Licht zwischen ca 380 Nanometer (violett) und 780 Nanometern (rot) wahrnehmen, der Rest bleibt für uns leider im Verborgenen.
Direkt an diesen sichtbaren Bereich (VIS Bereich) schließt sich unterhalb der 380nm der nahe ultraviolette Bereich (UV-Licht) und oberhalb der 720nm der Infrarotbereich (IR-Licht) an und genau diesen Bereich kann ich mit meiner umgebauten Sony Alpha 6000 Kamera sichtbar machen.
Reflektiertes Infrarot-Licht ist in der Lage eine beeindruckende Bandbreite an surreal wirkenden Effekten zu erzeugen. Die Blätter der Bäume und das Gras erscheinen hellweiss weil sie das Licht in diesem Bereich nahezu vollständig reflektieren um sich somit gegen Schädigungen durch die Sonneneinstrahlung zu schützen. Die menschliche Haut erhält eine sehr spezielle Oberfläche / Textur in porzellanähnlicher Optik mit zum Teil stark sichtbare Adern z.B. an den Händen. Die Augen werden geisterhaft und auch die Farbdarstellung von Kleidung verändert sich.
Ein blauer Himmel und Wasser wird dunkel dargestellt und Wolken am Himmel können Aufgrund des erhöhten Kontrastes eine dramatische Stimmung erzeugen .
Diese Tatsachen haben mich neugierig gemacht weil es eine Welt ist die wir kennen aber nicht sehen können.
Es gibt eine breite Palette an Kameras die sich für die Infrarotfotografie eignen. Die meisten Kamerahersteller bauen einen Infrarotsperrfilter vor den Bildsensor damit kein infrarotes Licht den Sensor erreicht. Das hat den Hintergrund dass Überlagerungen von infrarot- und sichtbaren Licht zu Bildunschärfe führt. Grundsätzlich können die Bildsensoren das IR-Licht “sehen” , diese Eigenschaft wird aber zugunsten der Bildqualität unterbunden.
Wenn man diesen Sperrfilter nun ausbaut und durch einen IR-Filter ersetzt dann erreicht man damit dass das sichtbare Licht bei der Aufnahme unterdrückt wird. Alles unterhalb des Spektalbereiches für den der verwendete Filter durchlässig ist erscheint dunkel und alles oberhalb wird hell dargestellt. Dabei gibt es unterschiedliche Filter die je nach Stärke ein unterschiedlichen Effekt erzeugen. Die schwächeren Filter (550nm und 630nm) eignen sich sehr gut für farbige Infrarotaufnahmen. Der 700nm Filter war für mich die erste Wahl weil ich damit farbige sowie auch kontrastreiche Schwarzweiß Aufnahmen machen kann. Ein 830nm Filter lässt keine Farbaufnahmen mehr zu und liefert nur noch schwarzweiß Aufnahmen.
Wer seine Kamera nicht umbauen möchte kann auch mit Vorsatzfiltern arbeiten, was aber extrem lange Belichtungszeiten (bis zu mehreren Minuten bei Sonnenschein) mit sich bringt und auf Dauer dann doch sehr zeitaufwändig ist und beinhaltet dass man auch tagsüber mit Stativ arbeiten muss. Das ist zwar alles deutlich günstiger und hat den Vorteil dass man die Kamera weiterhin normal nutzen kann, aber für mich sind die Einschränkungen zu gravierend.
Mit einer modifizierten Kamera kann man ganz normal fotografieren.
ISO, Belichtungszeit und die Blende arbeiten exakt so wie man es gewohnt ist. Auch das Fokussieren funktioniert einwandfrei.
Die Belichtungskorrektur kommt bei meiner modifizierten Kamera etwas mehr zum Einsatz wobei mir das Histogramm dabei eine gute Hilfe ist. Das sollte man bei der Aufnahme im Blick haben. Wichtig ist auch zu wissen dass Zoomobjektive und Festbrennweiten unterschiedliche Resultate liefern.
Ich habe meine Kamera bei Irrecams.de umbauen lassen und bin mit dem Resultat sehr zufrieden.

Sony Alpha 6000 mit dem sichtbar dunkleren 700nm IR Filter
Sony Alpha 6000 IR-Umbau mit Zeiss Touit 2.8/12

Nach der Aufnahme bedarf es aber noch etwas Feinarbeit am Computer denn die Infrarotbilder wirken vorerst sehr flach und kontrastarm.
Aufgenommen wird grundätzlich in RAW damit die komplette Bandbreite der Bildbearbeitung gewährleistet ist.
Zuerst muss der Weißabgleich korrigiert werden welchen ich mit einem speziell angepassten Kameraprofil im Raw Converter auf eine Farbtemperatur von ca 1800 Kelvin einstelle um den roten Farbstich zu neutralisieren.

Aufnahme ohne Weißabgleich
Weißabgleich korrigiert

Anschließend muss ein Rot / Blau Kanaltausch gemacht werden damit der Himmel blau dargestellt werden kann. Das erledigt man mit einem Kanalmixer in Gimp oder Photoshop. Im Rotkanal wird Rot auf Null gesetzt und Blau auf 100 sowie im Blaukanal Blau auf Null und Rot auf 100.
Mit den Werten kann gerne experimentiert werden.

Im Blaukanal wird Rot auf 100% gesetzt und Blau auf 0%
Im Rotkanal wird Rot auf 0% gesetzt und Blau auf 100%

Danach mache ich eine automatische Tonwertkorrektur um mehr Klarheit zu bekommen. Eventuell störende Restfarben kann man über die Sättigungseinstellung entfernen oder halt sättigen und zu allerletzt erhöhe ich den Kontrast mittels der Gradadtionskurven. Da bieten sich voreingestellte Parameter in Photoshop an.

Automatische Tonwertkorrektur
Sättigung setze ich in diesem Fall auf 56
Gradationskurven – Hier nehme ich die Voreinstellung Mittlerer Kontrast
Und so sieht das fertig entwickelte Foto aus

Bei der Bildbearbeitung kann man seiner Fantasie freien Lauf lassen und das Dargestellte auf sich wirken lassen. Es ist und bleibt ein spannendes Thema und ich werde es weiterhin in meine fotografischen Aktivitäten mit einbeziehen auch wenn es nur ein saisonales Phänomen ist, denn von Oktober bis Mai hat die Kamera frei.
Leider ist die Saison nun fast schon vorbei aber ich habe schon einige Gelegenheiten genutzt um meine ersten Erfahrungen auf diesem Gebiet zu sammeln.
Es gibt zwei neue Fotoalben auf dieser Webseite Die Du im Menüpunkt INFRAROT auswählen kannst. Hier kannst Du dir meine Neuesten Entwicklungen in FARBE oder SCHWARZWEISS anschauen.

Viel Spass.


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